LuxusImmo-Markt auf Mallorca zieht an
Mallorcas Immobilienmarkt kommt wieder in Bewegung. Die Nachfrage steigt; die Preise sind stabil. Makler zeigen sich vorsichtig optimistisch. Schnäppchenjäger, die noch mit krisenbedingten Nachlässen liebäugeln, müssen sich jetzt beeilen.
Aufatmen bei den Maklern auf der Ferieninsel Mallorca: Auf dem Immobilienmarkt regt sich nach der Wirtschaftskrise neues Leben. Allein im ersten Quartal wechselten bis zu 15 Prozent mehr Wohnungen und Häuser den Besitzer als noch vor einem Jahr, heißt es seitens des mallorquinischen Verbands der Immobilienunternehmer API. Optimistisch blickt auch das Maklerunternehmen Engel & Völkers in die Zukunft: Insgesamt sei die Lage mit 2008 vergleichbar. Allerdings sind die Umsätze aufgrund von vermehrten Preissenkungen bei der gleichen Anzahl verkaufter Objekte niedriger, belegt der Frühjahrsbericht 2010, der dem WirtschaftsBlatt exklusiv vorliegt. Deutschsprachige und skandinavische Käufer dominieren derzeit den Markt. Briten suchen zwar, warten allerdings auf weitere Preissenkungen – vorerst vergeblich. “Die meisten Käufer suchen noch nach dem Schnäppchen. Aber die Besitzer haben in den meisten Fällen ihre Preise bereits gesenkt und warten lieber ab, als weitere Reduzierungen in Kauf zu nehmen”, winkt Daniel Chavarria Waschke, Sprecher von Engel & Völkers Mallorca, ab.
Dabei hatten gerade die Schnäppchenjäger nach gut zwei Jahren Marktlähmung in der Vergangenheit leichtes Spiel – 30 Prozent Preisnachlässe vor allem im niedrigen und mittleren Preissegment waren keine Seltenheit. So manche Dachgeschosswohnung mit Meerblick in Andtratx oder Alcúdia sei beispielsweise für 500.000 € angeboten und letztendlich für 350.000 € verkauft worden. Top-Immobilien waren und sind von dieser Entwicklung ausgenommen.
Rückgänge von bis zu 30 Prozent im Vorjahr musste auch Heidi Stadler, Chefin von First Mallorca, einer der führenden Immobilienagenturen auf der Insel, wegstecken. “Wir haben definitiv in unsere Liquidität reingefressen”, ist die gebürtige Kärntnerin, die vier Immobilienbüros mit 45 Mitarbeitern führt, ehrlich (siehe auch Artikel Seite 19). “Wir wissen noch nicht, wie sich der Markt entwickelt, aber im moment läuft es sehr positiv.” Bis Mai hat Stadler 50 Objekte im Gesamtwert von 57 Millionen € verkauft. Eine Immobilie ging um stolze 6,6 Millionen € an einen russischen Käufer. “Wo wir ansässig sind, nehmen wir alles rein, was verkäuflich ist. Auch eine nette Wohnung in nicht so guter Lage. Wir haben aber aktuell auch ein Hotel um 35 Millionen € aufgenommen.”
Rabattschlacht. Auch Stadler bestätigt, dass eine Zeit lang teilweise satte Rabatte zu erzielen waren. “Es gab im Vorjahr schon viele freche Angebote, wo Käufer für ein 1,4 Millionen € teures Haus nur 700.000 € zahlen wollten.” Das eine oder andere (preisliche) Gustostückerl wechselte dennoch den Besitzer. Ein Haus, das um 1,8 Millionen € angeboten wurde, hat jetzt um 1,1 Millionen € einen neuen Bewohner. Doch die Zeiten sind vorbei. “Im Vorjahr haben wir viele Abschlüsse nicht geschafft, weil Angebot und Nachfrage zu weit auseinander lagen. Jetzt treffen sich Verkäufer und Käufer preislich wieder in der Mitte.” Auch ein Trend: Die Zeit des Abwartens ist vorbei; die Kaufbereitschaft steigt. “Viele waren verunsichert, wollten sich nicht entscheiden. Diese Zurückhaltung hat zu einem reinen Käufermarkt geführt, weil es genug gab, die verkaufen mussten.”
Heute gibt es wieder die Interessenten, die in der Früh einfliegen, kaufen und am Abend im Flugzeug in Richtung Heimat sitzen. Andere besichtigen bis zu dreieinhalb Jahre verschiedene Objekte, ehe sie zuschlagen. Stadlers Rat: Nichts überstürzen. “Finden Sie heraus, wie Mallorca funktioniert.” Bis zu 150 Objekte muss Stadler im Jahr verkaufen, dazu kommen noch bis zu 200 Vermietungen. “Wir haben allein Fixkosten von 250.000 € im Monat”, lässt sie sich in die Karten blicken. Mehr als die Hälfte ihrer Klienten bekommt die quirlige Maklerin über Empfehlungen – wohl auch, weil einer ihrer Leitsätze lautet: “Der Kunde soll entscheiden, was er kaufen will und nicht das Büro, das den Abschluss machen will.” Viele sind Wiederholungstäter, die mit einer Wohnung anfangen, dann eine Villa mit Meerblick und schließlich ein Haus direkt am Meer kaufen, bevor sie in einer Finca sesshaft werden. Das teuerste Objekt, das Stadler verkauft hat, war eine 50-Millionen-€-Villa auf einer Anhöhe mit 360-Grad-Meerblick und Helikopter-Landeplatz. Die Luxusimmobilie ist aber bei weitem nicht das teuerste Objekt auf der Insel – derzeit steht eine Villa um 125 Millionen € zum Verkauf.
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